Pilgern - Sehnsucht nach Glück

Pilger am Kanyakumari-Tempel, Kap Komorin, Indien – das Key Visual zur Sonderausstellung „Pilgern – Sehnsucht nach Glück?“
© Foto: Cornelia Mallebrein, 2006

Wie kommt Eau de Cologne in die senegalesische Pilgerstadt Touba? Warum pilgern Muslime und Hindus in den indischen Ort Ajmer? Was suchen Anhänger von gleich vier Religionen in eisiger Höhe am Berg Kailash in Tibet? Warum brechen jedes Jahr Millionen von Menschen zu Pilgerstätten in aller Welt auf? Antworten auf diese Fragen gibt die Sonderausstellung „Pilgern – Sehnsucht nach Glück?“ im Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt Köln (RJM). Mit der Schau widmet sich das RJM vom 8. Oktober 2016 bis 9. April 2017 dem weltumspannenden Phänomen des Pilgerns und zeigt hochkarätige und überraschende Objekte aus aller Welt.


Auf rund 1.400 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden 14 Pilgerstätten inszeniert. Darüber hinaus beleuchtet die Schau spirituelle, wirtschaftliche, politische, ökologische und nicht zuletzt touristische Aspekte des Pilgerns. Mit dem Streifzug durch die Pilgerorte der Welt liefert das RJM mehr als nur eine Antwort auf die Frage, warum Menschen pilgern.

 

Die Welt pilgert nach Köln – Köln pilgert in die Welt
Seit dem Mittelalter zählt Köln zu den bedeutenden Pilgerzentren. Bis heute kommen Gläubige zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige und der Heiligen Ursula. Gleichzeitig reisen Tausende Kölnerinnen und Kölner zu Pilgerorten auf der ganzen Welt. Und so schickt auch die Ausstellung ihr Publikum von hier aus auf die Reise – unter dem Motto „Die Welt pilgert nach Köln – Köln pilgert in die Welt“.

 

14 Pilgerstätten aus der ganzen Welt in Szene gesetzt
Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, in der Ausstellung 14 Orte zu entdecken und sich von ihrer Vielfalt inspirieren zu lassen. In opulenten Inszenierungen präsentieren sich berühmte, aber auch in Europa weniger bekannte Pilgerstätten:
- Santiago de Compostela, Spanien: Grab des Heiligen Jakobus (Christentum)
- Mexiko-Stadt, Mexiko: Basilika der Jungfrau von Guadalupe (Christentum)
- Lalibela, Äthiopien: Felsenkirchen (Christentum)
- Sinakara, Peru: Heiligtum des Señor de Quylluriti’i (Christentum und indigene Religion)
- Jerusalem, Israel: Westmauer – Grabeskirche – Felsendom (Judentum, Christentum, Islam)
- Mekka, Saudi-Arabien: Heilige Stätten (Islam)
- Kerbela, Irak: Schrein des Imams Hussein ibn Ali (Islam)
- Touba, Senegal: Mausoleum des Sheikh Amadou Bamba (Islam)
- Ajmer, Indien: Schrein des Sheikh Moinuddin Chishti (Islam und Hinduismus)
- Varanasi, Indien: Heilige Stadt (Hinduismus)
- Kailash, Tibet, VR China: Heiliger Berg für vier Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, indigene Religion)
- Shikoku, Japan: 88-Tempel-Weg (Buddhismus)
- Yangon, Myanmar: Shwedagon-Pagode (Buddhismus)
- Ra’iātea, Französisch-Polynesien: Zeremonialplatz Taputapuātea (indigene Religion)
Interaktive Stationen mit überraschenden Informationen laden zum Erleben mit allen
Sinnen ein.

 

Hochkarätige Objekte aus fünf Kontinenten
Zu den außergewöhnlichen und kostbaren Objekten der Ausstellung zählen auch herausragende Exponate des RJM. Dazu gehören ein mit Koransprüchen besticktes Sufigewand aus Afghanistan aus dem Jahr 1874 und polynesische Bootsmodelle aus der Zeit um 1900. Zudem werden hochkarätige Objekte aus den Sammlungen von Max von Oppenheim und des Sammler-Ehepaares Peter und Irene Ludwig präsentiert.

 

Internationale Leihgaben aus dem British Museum in London, dem Wereldmuseum in Rotterdam, dem Muséo de Américas in Madrid, aus zahlreichen Privatsammlungen und viele Exponate von Einrichtungen in Deutschland runden die Schau ab – darunter auch ein seidener Gebetsteppich aus einer berühmten Werkstatt aus Kashan im Iran, eine Bronzestatue von Gott Shiva und seiner Gemahlin aus Nepal aus dem 12. Jahrhundert und ein Reliquienbehälter für Dreikönigsreliquien der Domschatzkammer Köln.

 

Pilgern: Wirtschaftsfaktor und Flucht aus dem Alltag
Neben den Szenen zu den 14 Pilgerorten greift die Ausstellung unter anderem weltweit relevante spirituelle, wirtschaftliche, logistische, politische und ökologische Aspekte des Pilgerns auf. So spielt an vielen Orten unterschiedlicher Glaubensrichtungen heiliges Wasser eine große Rolle. Die Haaropfer der Pilgerinnen und Pilger sind für das indische Tirumala eine wichtige Einnahmequelle und in Hollywood unverzichtbar für die Haarverlängerungen der Stars.

 

Eine komplexe Logistik ist erforderlich, um im indischen Allahabad 120 Millionen Pilger und Pilgerinnen während des Kumbh-Mela-Festes zu versorgen. In Jerusalem regelt ein ausgeklügeltes System von Zuständigkeiten und Rechten den Zugang zu den heiligen Stätten der drei abrahamitischen Religionen. In Mexiko wiederum bedrohen die Interessen von Minengesellschaften die 140.000 Hektar große heilige Landschaft der Huichol.

 

Die Ausstellung stellt auch die Frage nach dem heutigen Verständnis von Pilgerschaft in unserer Gesellschaft: Inwieweit sind das Grab von Elvis Presley, der Louvre, das Fußballstadion des 1. FC Köln, Open Air-Festivals oder der Kölner Rosenmontagszug moderne Pilgerziele?

 

Das RJM ist Stempelstation auf dem Jakobsweg
Wer auf dem Jakobsweg pilgert, sollte einen Besuch im RJM nicht versäumen: Während der Ausstellungszeit gehört das Museum zu den Stempelstationen. Wer einen aktuellen Pilgerausweis vorlegt, erhält zusätzlich zum Stempel ermäßigten Eintritt.

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